(1993 / 2000 / 2010) |
Strukturgeologisch-petrographische und geochemische
Untersuchungen an Ganggesteinen und deren magmatischen Äquivalenten
im Andensegment bei 27° südlicher Breite (Region Atacama, Nordchile) 2.4 Gänge und Mineralisationen |
Seite 12 2.4 Übersicht |
3. Gaenge und Mineralisationen
3.1 Uebersicht der Gangvorkommen
Das Gebiet zwischen Inca de Oro und der Cordillera Domeyko ist durch eine Vielzahl
petrographisch und geochemisch unterschiedlicher Gaenge gepraegt (Abb.
22). Die Gaenge treten in bestimmten Regionen gehaeuft auf. An mehreren Stellen
koennen Gangsysteme beobachtet werden, deren Elemente verschiedenen zeitlichen Bildungsphasen
zuzuordnen sind. Groessere Gangakkumulationen sind im Bereich der Sierra Caballo
Muerto, Quebrada El Chinche sowie am Cerro Peineta (Abb. 24; Bereich 1), Quebrada
Varitas (Abb. 25; Bereich 2), Sierra Mostazal und Umgebung, noerdlich der Quebrada
La Tranca (Abb. 26; Bereich 3) und in dem oberen Teil der Qda. Ciénaga (Abb. 27;
Bereich 4) zu beobachten. Daneben treten auch in anderen Bereichen vereinzelt Gaenge
auf. Einen Ueberblick mit einigen geochemischen und petrographischen Grunddaten
geben die Abb. 23 bis Abb. 27. Die Gaenge wurden in alle stratigraphischen Einheiten,
ausser den jungen unverfestigten Grobklastika, injiziert. Hauptsaechlich durchschlagen
sie jedoch die jurassischen Vulkanite und Vulkanoklastika. Fuer die zeitliche Einordnung
wurde den Vorkommen in jungen Gesteinen eine groessere Aufmerksamkeit gewidmet.
Abb.22: Vorkommen der Gänge im Arbeitsgebiet.
Die Breite der Gänge schwankt von einigen Zentimetern bis zu sechs Metern, dabei steht die petrographische Zusammensetzung in Abhängigkeit von der Ausdehnung (vergl. Kapitel 3.7). Ferner sind haeufig Inhomogenitaeten in der Zusammensetzung, insbesondere Salbandbildungen zu beobachten.
Der Großteil der Gänge zeigt Einfallwinkel von über 80° oder gar 90°. Die
Streichrichtungen variieren sehr stark in Bezug auf Gangtypus und Region (vergl.
Kapitel 4.2.4).
Im folgenden sollen die petrographischen und geochemischen
Parameter der Gaenge beschrieben, verglichen und diskutiert werden.
Im Gelände wurden alle signifikanten Gänge auskartiert, beprobt und in eine
vorläufige Gelände-Klassifikation eingefügt. Es folgte die Aufnahme der tektonischen
Daten des jeweiligen Ganges und seines Nachbargesteins. Besondere Aufmerksamkeit
wurde gangschneidenden Elementen (Klüften, Trennflächen oder anderen Gängen)
gewidmet (vergl. Kapitel 4.2.5). Diese konnten in eine
relative zeitliche Reihenfolge gebracht werden. Große Beachtung fanden dabei Gangsysteme,
die durch eine Vielzahl sich schneidender, unterschiedlich alter Gänge gekennzeichnet
sind (vergl. Kapitel 4.3).
Die petrographische
Gelände-Klassifikation wurde durch Auszählen des Modalbestandes an 69 Ganggesteinsproben
im Dünnschliff untermauert. Ferner wurden von 50 Ganggesteinsproben RFA-Gesamtgesteins-Analysen
(13 Hauptelemente sowie von 19 Spurenelementen) durchgeführt.
Durch Zusammenfassung
dieser Informationen erfolgte eine Klassifikation und eine zeitliche Einordnung
der Gangbildungen in Relation zu tektonischen und magmatischen Ereignissen.
3.3 Nomenklatur der Ganggesteine
Die Gaenge zeigen in Bezug auf ihre Textur und ihre chemische Zusammensetzung durchweg starke Inhomogenitaeten. Verschiedene Texturen bei gleichen petrographischen und chemischen Zusammensetzungen zeigen, dass die Textur alleine nicht zur Klassifikation geeignet ist. Eine Vielzahl der Ganggesteine wurde durch diverse Umwandlungsprozesse stofflich sekundaer stark veraendert. Ferner sind laterale Abweichungen der geochemischen und petrographischen Zusammensetzung der Gaenge an zwei Beispielen dokumentiert (Abb. 43 und 45 vergl. Kap. 3.7). Eine gueltige Klassifikation der Ganggesteine fordert fuer die bestimmenden Parameter eine moeglichst homogene Verteilung ueber den gesamten Gangkoerper hinweg.
Die praezisesten Daten ergaben Auszaehlungen des Modalbestandes im Duennschliff.
Referenzproben zeigten trotz Beprobung distaler Gangbereiche oder Beprobung desselben
Ganges in groesserer Entfernung nur geringfuegig abweichende Ergebnisse. Aus diesen
Gruenden wurden die Ganggesteine entsprechend der Empfehlung von
WIMMENAUER (1985) nach dem Diagramm von
STRECKEISEN (1976) fuer Plutonite benannt.
Bei feinkoerniger Matrix (unter 0,3 mm) wird der Zusatz Mikro- vorangestellt. Bei
einem zusaetzlich entwickelten porphyrischen Charakter wird das Adjektiv 'porphyrisch'
vorangestellt. Ein porphyrisches Ganggestein mit einer feinkoernigen Matrix und
granitischer Zusammensetzung muss demnach als 'porphyrischer Mikrogranit' bezeichnet
werden. Bei einer Korngroesse unter 1 mm und einem Mafitgehalt unter 10 % kann von
einem 'Aplit' gesprochen werden. Bei granitischer Zusammensetzung ist 'Granitaplit'
die korrekte Bezeichnung.
Beispiel der Benennug von Ganggesteinen:
|
Mafite: |
unter 10% |
0-90% |
0-90% |
0-90% vorherrschaft von Chlorit |
Generell hohe Gehalte |
|
Modalgehalt: |
90 % helle |
wie Granit |
wie Granit |
wie Granit |
Vorherrschaft von Mafiten und anderen |
|
Korngroesse: |
unter 1 mm |
unter 0,3 mm |
Matrix unter 0,3 mm |
Matrix unter 0,3 mm |
verschieden |
|
Textur: |
gleichkoernig |
gleichkoernig |
porphyrisch |
porphyrisch |
- |
|
Name: |
Aplit |
mikrogranit |
porphyrischer mikrogranit |
porphyrischer chloritfuehrender mikrogranit |
NAME-Gang: Epidot-Quarz Gang |
Mit Hilfe dieser Nomenklatur lässt sich der überwiegende Teil der im Arbeitsgebiet
vorkommenden Ganggesteine zweifelsfrei benennen. Falls keine sinnvolle Zuordnung
in das Quarz - Alkalifeldspat - Plagioklas- Diagramm nach STRECKEISEN (1976) und
das Alkalifeldspat+Quarz - Chlorit - Plagioklas-Dreieck möglich ist, erfolgt die
Benennung durch die charakteristischen Hauptminerale z.B. Epidot-Quarzgang oder
Hämatit-Opalgang.
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