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Geschichte der Region Atacama (Chile): Die Erdbeben

H. Burmeister beschreibt das Erdbeben von 1859

Museo Virtual, Chile
W. Griem, 2016, 2017

Der Text wurde digitalisiert, in ASCII umgewandelt, übersetzt, bearbeitet,  und teilweise der aktuellen Rechtschreibung angepasst von Dr. Wolfgang Griem.


 Literatur: Erdbeben in Copiapó von 1859

español / deutsch

Hermann Burmeister beschreibt das Erdbeben vom 5. 10. 1859 in Copiapó
(Übersetzung aus dem spanischen)

Mein Hauptaugenmerk war während meiner Anwesenheit in Copiapó auf die Betrachtung der Folgen des großen Erdbebens gerichtet, welches den 5. Oktober 1859 einen Teil der Stadt zerstört hatte. Ich habe darüber bei glaubwürdigen Personen nachstehende Erkundigungen eingezogen. Die Erderschütterung begann um 8 Uhr morgens mit einer starken Wellenbewegung, wobei schon viele Häuser zusammen-stürzten. Dieser Bewegung folgten 2 bis 3 Minuten später zwei heftige Stöße unmittelbar hintereinander, von denen der zweite der stärkere war und alles niederwarf, was fallen konnte und wollte. Alle Häuser, die nach der früheren Methode aus gestampften, meist sehr dicken Erdwänden aufgeführt waren, stürzten zusammen; stehenblieben dagegen die nach der vorhin angegebenen Methode gebauten leichten Rohrhäuser, obgleich auch davon die meisten in den Wänden mehr oder weniger starke Risse erhielten. Nach dem zweiten Stoß folgten aufs neue Wellenbewegungen, die wenigstens 5 Sekunden anhielten. Sie wiederholten sich von Zeit zu Zeit, allmählich schwächer werdend, 68mal den Tag über bis nachts 12 Uhr und kehrten an den drei folgenden Tagen in Pausen von 3 bis 4 Stunden immer noch, aber stets abnehmend, zurück. Die Richtung der Wellenbewegung ging mit geringen Modifikationen von Südwest nach Nordost. Sie beschädigte die Gebäude der kurzen Straßen, welche von Norden nach Süden laufen, sehr wenig, dagegen die Gebäude der langen, von Osten nach Westen laufenden Straßen sehr stark. Hier sah ich noch ganze Quadras (Blöcke) der Stadt in Trümmern liegen. Immer wichen die Mauern auseinander, wobei das Dach in die Zimmer hinabfiel und die Mauern selbst umstürzten. Am wenigsten wurden die Gebäude in der nördlichsten Langstraße, durch welche die Eisenbahn fahrt, beschädigt, sehr stark dagegen die der südlichen beiden Straßen. Die neue Hauptkirche litt wenig, selbst der drei Stockwerke hohe Turm, weil er ein Holzbau ist. Dagegen fiel der aus weißem Marmor aufgeführte Hauptaltar der Kirche in sich zusammen. Das ganz nahe eiserne Standbild auf dem Markt änderte hierbei seine Stellung nicht. Außerhalb der Stadt sah man bedeutende Spuren. Während der Bewegungen des Bodens hob sich das Wasser in den künstlich angelegten Gräben zu mehreren Fuß hohen Wellen und trat hie und da schäumend aus seinen Ufern. Der Erdboden bekam Risse, selbst in den Straßen der Stadt, die offenstehen blieben, aber bald zugeschüttet wurden, weil sie nicht breit waren. Die an mehreren Orten aufgeführten Erdwälle der Eisenbahn rollten auseinander wie Sandhaufen, die auf einem Tisch liegen, an den wiederholt gestoßen wird. Die Schienen blieben frei schwebend in der Luft stehen. Obgleich diese Wälle schon sieben bis 8 Jahre alt sind, so hielten sie sich doch nicht. Die Erstreckung der Wirkung ging sehr weit in der Richtung von Osten nach Westen, aber nur in geringer Entfernung von Süden nach Norden; sie verließen das Tal von Copiapó in dieser Richtung nicht. In Caldera, dem Hafen von Copiapó, trat das Meer so weit vom Ufer zurück, daß der, Grund neben der großen Mole, an welche die größten Dampfschiffe anlegen können, trocken lag. Als die Wogen zurückprallten, überfluteten sie die Mole bis an die nahe Eisenbahnstation, richteten aber keinen erheblichen Schaden an. Im Tal aufwärts zeigten sich viele Spuren bis auf die andere, östliche Seite der Kordilleren; noch in Jague, an dem Austritt des gleichnamigen Flusses aus den Kordilleren, fühlte man Erschütterungen. Ich habe bereits auf der Reise talabwärts erwähnt, daß S. Antonio sehr litt; in Juntas äußerten sich keine nachteiligen Wirkungen, aber oberhalb bei Jorquera wie unterhalb bei Potrero grande und an vielen anderen Stellen stürzten große Blöcke von den benachbarten Gehängen herunter; Juntas lag außerhalb der Stoßlinie, die genau von Westnordwest zu West nach Ostsüdost gerichtet gewesen zu sein scheint. Seit jener schrecklichen Katastrophe ist Copiapó verschont geblieben, aber lange wird die Ruhe nicht dauern; man ist daran gewöhnt und zum Teil auch darauf vorbereitet. Allgemein wird dem Fremden geraten, nie ein Zimmer hinter sich abzuschließen, ja nicht einmal die Tür zuzumachen, weil es in der Regel ganz unmöglich ist, sie zu öffnen bei einem Erdbeben wegen des Druckes, den die zitternden Wände darauf ausüben. Auch schläft man hier ebendeshalb nie ganz entkleidet, sondern stets mit den Unterkleidern, um vorkommendenfalls nicht nackt im Publikum erscheinen zu müssen.

 

Copiapó después del terremoto de 1922
Foto: Erdbeben von 1922 (Copiapó)
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Literatur:
BURMEISTER, H. (1875): Die Süd-Amerikanischen Republiken Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay nach dem Stande der geographischen Kenntniß in 1875 nach Originalen und offiziellen Quellen karthographisch dargestellt von A. Petermann.
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