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Geschichte der Geowissenschaften: Geologie

E. Kayser (1912): Umrissformen des Festlandes, Zentrale Bruchzone

Historische Arbeiten
W.Griem, 2019
Globale Bruchzone der Erde - Kayser - 1912

Geschichte der Geowissenschaften
Allgemeine Geologie

Geschichte der geowissenschaften: Geologie
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Karte Südatlantik (Krümmel, 1886)
Text: Der Ozeanboden (Credner, 1891)
Geotektonisches Modell (KAYSER, 1912)
Verteilung der Erdbeben (M. de Ballore)
Polwanderung 1890 - 1898 (Walther 1908)
Gondwanaland (Walther, 1908)
Wesen der Kontinente, Ozeane (Kayser, 1912)
Kontinent-Ränder (Kayser, 1912)

Kontraktions-Theorie
Kontraktions-Theorie (Credner, 1891)

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E. Kayser, 1912

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Foto/Scan - Digital bearbeitet: (W.Griem, 2019); Aus: E. Kayser (1912): Fig. 27. Die zentrale Bruchzone der Erde.    Abbildung 27; Seite 104. Original-Größe der Abbildung: 16 cm x 9 cm.

KAYSER, E. (1912): Lehrbuch der Geologie. - Allgemeine Geologie; 4.Auflage, mit 881 Seiten; 611 Abbildungen; Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart. [Sammlung W. Griem]

*1) Nach PRINZ wäre die Drehung um eine Achse erfolgt, deren Nordpol in der Beringstraße lag.

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Kayser (1912) veröffentlichte eine Karte der zentralen Bruchzone der Erde. Er erkannte eine Kreisförmige Struktur, welche um den Nordpol gelegt, etwa die Grenze zwischen Gondwana und Laurasia (nach heutiger Terminologie) entspricht. Hier sah Kayser eine wichtige Bruchzone mit unterschiedlicher fazieller Entwicklung.

Original Text von Kayser p. 103 - 107

a) Umrissformen des Festlandes.


Das Festland stellt sich in zwei verschiedenen Formen dar:
1. in großen zusammenhängenden Massen, den Kontinenten, und
2. in kleineren, den Inseln.

Die Kontinente lassen sich, wie schon früher hervorgehoben, zu einer westlichen und einer östlichen Erdfeste oder einer Alten und einer Neuen Welt zusammenfassen. Die Neue Welt oder Westfeste hat eine ausgesprochen nordsüdliche, die Alte Welt oder Ostfeste dagegen eine ostwestliche, bzw. von SW nach NO gerichtete Hauptausdehnung.

Die Alte Welt zerfällt in ein großes Mittelglied, Asien, und drei umgebende randliche Erdteile: Europa, Afrika und Australien. Will man Europa nicht als besonderen Kontinent anerkennen, so faßt man es mit Asien unter dem Namen „Eurasien“ zusammen. Daß Australien trotz seiner jetzigen Trennung von Asien zur Ostfeste gehört, ergibt sich nicht, nur aus den zahlreichen zwischen beiden Kontinenten liegenden Inseln, sondern auch aus seinem schon oben erwähnten früheren Zusammenhänge mit Asien. Auch die Scheidung Afrikas von Europa scheint ganz jung zu sein.

Die Neue Welt besteht nur aus zwei Erdteilen, Nord- und Südamerika. Diese Trennung entspricht zwar nicht dem gewöhnlichen Brauch, nach dem beide als zu einem Kontinent gehörig betrachtet werden ist aber mindestens ebenso gerechtfertigt wie die Unterscheidung Afrikas als eines besonderen Erdteiles gegenüber Eurasien.

Wir erhalten auf diese Weise sechs Kontinente, drei nördliche: Asien, Europa und Nordamerika, und drei südliche: Australien, Afrika und Südamerika.

Die Scheide zwischen N- und S-Kontinenten bildet eine große, über die ganze Erde verlaufende ostwestliche Bruchzone. Durch die großen Binnenmeere der Erde (das zentralamerikanische und europäische Mittelmeer und den malaiisch-australischen Archipel) hindurchgehend und einen fast ununterbrochenen Meeresgürtel darstellend, bezeichnet diese zentrale Bruchzone die Region der größten Landzersplitterung der Erde. Ihre große geologische Bedeutung ergibt sich aus der großen Zahl von tätigen und erloschenen Vulkanen, die sie trägt, sowie aus der Häufigkeit und Stärke der Erdbeben, von denen sie betroffen wird. Der fragliche Gürtel stellt mithin eine Zone dar, in der der Gleichgewichtszustand der Kruste beständige Störungen erleidet.

Nach der Ansicht von L. GREEN (vgl. S. 39) wäre die Mittelmeerzone die Folge einer Torsion der beiden Erdhalbkugeln gegeneinander *1). Daraus  soll sich die Tatsache erklären, daß die Südkontinente gegen die nördlichen nach 0 verschoben erscheinen. Bei Südamerika und Australien (im Verhältnis zu Nordamerika und Asien) ist diese Drehung ohne weiteres ersichtlich; aber auch bei Afrika würde sie sofort zutage treten, wenn man Europa durch die früher damit zusammenhängende Arktis (s. S. 103) ergänzte und damit seinen Schwerpunkt um ein Stück nach W verrückte.

Eine auffällige Erscheinung bilden die sogenannten geographischen Homologien. Man versteht darunter die Tatsache, daß benachbarte Inseln und Kontinente oft eine überraschende Übereinstimmung im Verlauf ihrer Küstenlinien erkennen lassen. Ein besonders merkwürdiges Beispiel dafür bieten die in ihrem Umrisse dem Buchstaben K ähnlichen Küsten der beiden südostasiatischen Inseln Celebes und Gilolo. Ebenso gehört hierher der Parallelismus, den die gegenüberliegenden Küsten von Nord- und Südamerika einerseits und von Europa und Afrika anderseits zeigen; er ist umso bemerkenswerter, als auch der sich in der Mitte des Nordatlantikums erhebende, von den Färöern bis Tristan da Cunha und Diego Alvarez reichende, durch die Azoren und Ascension hindurchgehende untermeerische Rücken, die „mittelatlantische Bodenschwelle“, einen parallelen Verlauf hat. Die Gründe für diese vielbesprochene Übereinstimmung, zu der auch die erwähnte häufige Wiederkehr der Dreiecksgestalt bei Kontinenten und Inseln gehört, können wohl nur in dem den Geologen schon lange geläufigen Parallelismus benachbarter Bruch- und Verwerfungsspalten gesucht werden. Treten gleichzeitig mehrere Systeme paralleler Bruchlinien nebeneinander auf, so können dadurch leicht Homologien der genannten Art entstehen.

Diese Deutung der geographischen Homologien hat sehr an Wahrscheinlichkeit gewonnen durch die neuesten Auffindungen W. DEECKES, nach denen der Verlauf der Küsten überall überraschende Gesetzmäßigkeiten zeigt. Nicht nur die Winkel der Küstenknicke, ihre (30, 60, 90, 120, 150 und 180° betragenden) Aus- und Einsprünge stimmen auf der ganzen Erde überein, sondern es fallen auch allenthalben die Küstenlinien mit größten Kreisen zusammen, deren Verlauf einer der drei Hauptrichtungen für Falten- und Bruchbildung, nämlich der varizischen, herzynischen oder rheinischen (NO, NW, S—N) entspricht. Auch die Verteilung der Vulkane steht mit diesen Kreisen in engstem Zusammenhang. Nach DEECKE liegt den in Rede stehenden Kreisen ein uraltes, schon bei der ersten Erstarrung des Erdkörpers herausgebildetes und bis zu großer Tiefe hinabreichendes Kontraktions- oder Spaltensystem zugrunde, das sich bei allen späteren Dislokationen fühlbar gemacht hat und es noch jetzt tut. 

Eine andere, bei Betrachtung des Verlaufes der Küstenlinien sich ergebende Verschiedenheit betrifft die Stärke der Küstengliederung. K. RITTER hat zuerst vom Unterschiede „geschlossener und gegliederter Konturformen“ der Länder gesprochen und die Größe der Gliederung durch das Verhältnis der Küstenlänge zu dem Flächeninhalt des Landes ausgedrückt. Man nimmt gewöhnlich an, daß dies Verhältnis für die verschiedenen Kontinente folgendes sei:

Nördliche Kontinente:
Europa: 1:37
Nordamerika: 1:56
Asien: 1:105


Südliche Kontinente:
Afrika: 1: 152
Südamerika: 1:94
Australien: 1:73


Es seien hier ferner die Unterschiede in der Küstengestaltung erwähnt, die E. SUESS mit den Ausdrücken pazifischer und atlantischer Küstentypus bezeichnet *1). Beim pazifischen Typus fällt die Richtung der Küste mit der des an sie herantretenden Faltengebirges zusammen. Die Küste erscheint bedingt durch die Streichrichtung des Gebirges; sie stellt nur dessen Rand oder Abbruch dar. Dies Verhalten beobachtet man an der ganzen Umrandung des Stillen Ozeans; außerdem kehrt es wieder an einigen Küstenstrecken des Mittelländischen Meeres (Italien, Dalmatien, Griechenland), im Malaiischen Archipel, an der Ostküste Australiens und ander­weitig. Dem atlantischen Typus dagegen fehlt ein derartiger Zusammenhang zwischen Küstenrichtung und Küstengebirge, vielmehr stoßen hier die Gebirge oft unter großem Winkel gegen die Küste.


Dies Verhalten findet sich besonders an den europäischen, afrikanischen, amerikanischen und grönländischen Küsten des Atlantischen Ozeans, außerdem an der Ostküste Afrikas, an der Westküste Australiens usw.

Kontinentalplattform - Kayser, 1912
Fig. 28: Kontinental-Plattform

Es ist übrigens hervorzuheben, daß die jetzigen Küstenlinien keineswegs überall mit den wirklichen Kontinentalrändern zusammenfallen. Ein Beispiel dafür bieten die britischen Inseln.

Sie liegen auf einem untermeerischen Plateau, das sich nicht nur über den Kanal, sondern auch über den größten Teil der Nordsee ausdehnt. Eine Hebung des Meeresbodens um einige fünfzig Meter würde genügen, um Großbritannien mit dem europäischen Festlande zu vereinigen. Dieses untermeerische Plateau zieht sich als ein verhältnismäßig breiter Streifen auch an der Westküste Irlands hin. Erst mehrere Meilen im W der jetzigen Küstenlinie senkt sich der Meeresboden rasch zu großen ozeanischen Tiefen, und erst hier liegt der wahre Rand des europäischen Kontinents (Fig. 28).

Ebenso verhält es sich an der Ostküste Nordamerikas. Auch sie wird von einem breiten Flachmeergürtel umgeben, in dessen Bereich die bekannte Neufundlandbank fällt. Erst im 0 dieses Gürtels sinkt der Meeresgrund zu großen Tiefen ab, und erst hier haben wir den eigentlichen Rand Amerikas zu suchen.

Fast an allen Festlandsküsten kehrt eine derartige flache untermeerische Plattform wieder. Sie ist bald breiter, bald schmäler, fehlt aber kaum irgendwo ganz. Ihre Oberfläche ist, wie bei den Tiefebenen des Festlandes, immer mehr oder weniger eben. Die Engländer bezeichnen diesen die Kontinentalsockel umgebenden Flachmeergürtel schon lange als „shelf“ — ein Ausdruck, den KRÜMMEL *1) auch in die deutsche Literatur übernommen hat. Der Schelf stellt noch ein Zubehör des Kontinentes selbst dar; erst an seinem Außenrande liegt die wirkliche Grenze gegen das ozeanische Becken.

Bei den Inseln kommen nicht allein ihre Form und Größe, sondern auch die Art ihres Auftretens und ihre Entfernung von den Kontinenten in Betracht.

Nach dem Auftreten hat man zu unterscheiden Einzelinseln und Inselsysteme. Diese letzten werden wiederum in Inselketten und Inselgruppen getrennt.

Rücksichtlich der Stellung der Inseln zu den Kontinenten unterscheidet man Gestade- oder Küsteninseln und ozeanische Inseln. Die Gestadeinseln liegen dem Festlande so nahe und erweisen sich ihm geologisch so verwandt, daß man sie nur als abgerissene Landstücke zu betrachten hat (Großbritannien im Verhältnis zu Europa, Neuguinea in dem zu Australien usw.). Die ozeanischen Inseln dagegen treten in großer Entfernung vom Lande auf und stehen zu ihm in keiner unmittelbaren Beziehung. Man kann sie wiederum zerlegen in:
1. vulkanischeinsein, die teils als Ketten inmitten des Meeres auftreten (Hawaii-Inseln, Ladronen usw.), teils unregelmäßige Gruppen bilden (Azoren, Kanaren) und immer vulkanischen Ursprungs sind, und
2. Koralleninseln, kleinere niedrige Inseln, die ihre Entstehung der Tätigkeit von Riffkorallen verdanken (vgl. Dynamische Geologie, Wirkungen der Organismen).

 


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Publiziert: 27.10.2019 / Aktualisiert: 27.10.2019
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