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Geschichte der Region Atacama (Chile) Burmeister in Caldera (1859/60) deutsch / español |
Museo
Virtual W.Griem (2004) |
Hermann Burmeister 1859/60 über CalderaDer Wissenschaftler Herman Burmeister bereiste 1859/1860 Argentinien und Chile. Am Ende seiner Anden-Expedition erreicht er den Hafen von Caldera. Burmeister veröffentliche eine schöne Beschreibung des jungen Caldera. ...Nach 10 Minuten fuhr der Zug in das große Gebäude des Bahnhofs von Caldera hinein, hart am Wasser auf einer kleinen Fläche kaum 10 Fuß (3,10 m) über dem Meeresspiegel gelegen, dicht neben steilen, schwarzgrauen, plutonischen Felsgruppen, welche die 36 Fuß (11 m) höher gelegene Ebene stützen, worauf die Gebäude des Städtchens stehen. Auf breiten hölzernen Treppen steigt man unmittelbar vom Hof der Eisenbahn hinan und begibt sich neben dem eleganten und großen Hafengebäude (Capitania del puerto) vorbei in das dahinter gelegene erste Hotel, welches von einem Italiener gehalten wird und mit Recht gelobt werden kann, obgleich die Preise hoch sind, noch höher als in Copiapó, das wenigstens noch vor kurzem einer der teuersten Plätze Südamerikas war. Indessen habe ich es in Lima noch teurer gefunden.Caldera besteht dermalen aus einer Hauptlängsstraße, die dem südlichen Rand des Hafens parallel läuft und von 4 bis 5 Querstraßen durchschnitten wird. In diesen Straßen stehen, zumal an der Wasserseite, einige gute Häuser, in der leichten Bauart Copiapos ausgeführt, und dazwischen allerhand erbärmliche Cabacken, aus Brettern zusammengenagelt oder gar mit grober Leinwand bekleidet; die noch nicht vollendete Kirche hat denselben leichten Baustil und liegt etwas abseits von den Häusern mitten auf einem freien Platz. Man schätzt die Bevölkerung auf 2. 000 Personen. Kaufleute aller Art, besonders aber Schankwirte für die Matrosen und Arbeitsleute, welche vom Aus- und Einladen der Schiffsfrachten leben, bilden die Hauptmasse der Einwohner; mehrere der letzteren sind Chinesen. Das Ganze macht einen widerwärtigen Eindruck. Man fühlt bald, dass man an die Grenze der Zivilisation gekommen ist; ich schritt einige Mal durch die Straßen, dann wendete ich mich abwärts zum Seegestade, nach Meerestieren suchend und ihre Lebensweise mir betrachtend.Der kahle, öde Strand ist nicht reich daran, nur einige Molluskenschalen und mehrere kleinere Schnecken, worunter Fissurella- und Chitonarten, waren häufig zu finden, aber selten in guten, frischen Exemplaren. An den steilen Sandsteingruppen etwas westlich von der Stadt saßen in einer Höhle unter überhängenden Felsen in Menge zwei prächtige Actinien, eine grüne und eine rote; und vor einem Loch höher aufwärts am Ufer sah ich zwei schöne Exemplare der größten chilenischen Eidechse; Aporomera ornata D. B. Insekten, namentlich Käfer, konnte ich nirgends entdecken. Die Natur war hier wie ausgestorben. Keine Pflanze, kein Strauch, ja überhaupt nichts Grünes ließ sich sehen, so weit umher auch mein Auge von der Terrasse vor dem Ufer schweifte. Loser Sand bildete den Boden der geneigten Ebene, auf dem der Ort steht, umgeben im weiteren Umkreis von kahlen, schwarzgrauen Felsen, die hie und da in kleinen stehen gebliebenen Gruppen noch dicht am Ufer, wie eben am Bahnhofsgebäude, zutage gehen. ...... Caldera ist ein besuchter Hafen, es kommen zumal viele englische Schiffe her, um Erze zu laden und Kohlen zu bringen. Mit beidem war man unaufhörlich beschäftigt. Die Erze werden großenteils roh von den Gruben auf der Eisenbahn hierher geschafft und so, wie sie sind, nach England geschickt, um dort ausgebracht zu werden. Direkt vom Bahnhof geht eine große Mole in die Bai hinaus, an welche selbst Dreimaster anlegen können. Eine Fortsetzung der Eisenbahn fährt die Karren bis unmittelbar ans Schiff und lässt das Erz durch die Schächte in den Raum fallen. Andere führen es in Booten quer über die Bai nach einem großen Hüttenwerk, das dort am südlichen Eingang liegt und beständig mit vielen dampfenden Schornsteinen arbeitet. Wieder andere nahmen die Kohlen in Empfang, welche die Schiffe ausluden, und brachten sie teils in den Bahnhof für die Eisenbahn, teils in benachbarte Lagerhäuser zum Verbrauch der Dampfschiffe, welche die Westküste Amerikas befahren und der Pacific-Steam-Navigation-Company gehören.
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Am Ende seiner Reise
gelangte Burmeister schließlich nach Caldera (1860), besonders interessant
ist seine Feststellung, dass Caldera eine sehr teure Stadt ist:
..."obgleich die Preise hoch sind, noch höher
als in Copiapó, das wenigstens noch vor kurzem einer der teuersten Plätze
Südamerikas war. Indessen habe ich es in Lima noch teurer gefunden."
Die Beschreibung der Häuser und ihr Zustand zeigt auffallend große Übereinstimmung mit den Beschreibungen von TREUTLER (>>): "In diesen Straßen stehen, zumal an der Wasserseite, einige gute Häuser, in der leichten Bauart Copiapós ausgeführt, und dazwischen allerhand erbärmliche Cabacken, aus Brettern zusammengenagelt oder gar mit grober Leinwand bekleidet"
Es muss daran erinnert
werden, dass Burmeister als Wissenschaftler sehr großes Interesse an der
Marinen Biologie hatte, darum seine detaillierten Ausführungen über die
Strandfauna. Aber augenscheinlich hatten zu dieser Zeit die Einwohner
Calderas schon weite Bereiche des Strandes abgesammelt (Bis heute sind die
"mariscos" in Caldera eine großartige Spezialität) - währe Burmeister ein
bisschen weiter nach Süden gegangen hätte er wohl mehr Erfolg gehabt.
Um 1860 war Caldera der wichtigste Ausfuhrhafen für die Silber und Kupfererze der Region. Außerdem musste Kohle, Nahrungsmittel und viele andere Güter in die Region gebracht werden. Der wichtigste Handelspartner war England. Viele der Minenbetriebe waren in englischer Hand und stachen durch ihren hohen technischen Standard hervor.
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| BURMEISTER, H.
(1875): Die Süd-Amerikanischen Republiken Argentinien,
Chile, Paraguay und Uruguay nach dem Stande der geographischen Kenntnis in
1875 nach Originalen und offiziellen Quellen karthographisch dargestellt von
A. Petermann.
Der Text wurde
digitalisiert, in ASCII umgewandelt, bearbeitet, und teilweise der aktuellen
Rechtschreibung angepasst von Dr. Wolfgang Griem. |
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