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Geschichte der Region Atacama (Chile): Der Bergbau

Paul Treutler: Lohn und Leben in Tres Puntas

Bergbau in Atacama
W. Griem, 2006, 2017

 Literatur: Bergbau in Atacama

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Ausrisse aus Treutlers 15 Jahre in Südamerika: Beschreibung der Arbeit, Lohn und sozialen Verhältnissen:
Der Text bezieht sich auf die Jahre 1851 bis 1856 - nicht alle Aussagen von Paul Treutler können als authentisch betrachtet werden.

"Zu dieser Zeit wurden in diesem Bergwerksdistrikt 62 Silbergruben betrieben und in ihnen etwa 2000 Arbeiter beschäftigt.
Diese Arbeiter zu unterhalten erforderte ein ganz enormes Kapital, da dieselben neben hohem Lohn, der beispielsweise bei einem Verwalter 103 Pesos, beim Steiger und Häuer 51 Pesos und beim geringsten Tagelöhner 30 Pesos monatlich betrug, freie Wohnung, Kost und Wasser erhielten, was zu beschaffen ja so unendlich viel Mühe und Geldkosten verursachte, da, wie erwähnt, alles erst durch Maultiere und Wagen hierher gebracht wurde.
Die Wohnungen waren allerdings weder luxuriös, noch kostspielig eingerichtet. Die Mauern derselben wurden durch aufeinander geschichtete Steine gebildet, auf welche man ein Gerüst von Latten befestigte, diese mit Schilf eindeckte, während man aus einigen Brettern Türen, Verschläge, Tische und Bänke verfertigte.
Je nach Wichtigkeit und Größe der Grube befanden sich daselbst nun ein oder mehrere solcher Häuser, in welchen die Beamten wohnten, sowie Minenmaterial und Lebensmittel aufbewahrt wurden. Um diese herum erhoben sich je nach Anzahl der Arbeiter kleinere, ebenso konstruierte Wohnungen, in welchen die Bergleute zu je zwei, vier und 12 Personen zusammen lebten, auch gab es außerdem eine solche Hütte für die Schmiede, ein andere für die Küche.

So billig nun auch im Allgemeinen die Beherbergung der Arbeiter war, eine so enorme Ausgabe verursachte ihre Beköstigung, trotzdem dass dieselbe so einfach und billig war, wie nur irgend möglich. Jeder Bergmann erhielt des Morgens ein Pfund Weißbrot und 16 getrocknete Feigen, zu Mittag eine große Schüssel mit Fett eingemachte und mit viel spanischem Pfeffer gewürzte Bohnen, und des Abends einen Brei von Weizenschrot; außerdem jeden Sonntag 10 Unzen getrocknetes  Fleisch.

Wollte man in Tres Puntas etwas Besseres als die gewöhnlichen Bohnen speisen, so war dies sehr kostspielig. So kostete hier u.A. ein Pfund frisches Fleisch drei Mark, eine Kartoffel 50 Pfg., eine Zwiebel 50 Pfg , eine Wassermelone vier Mark, eine Flasche Bier 6 Mark u.s.w. der Verwalter und die Beamten größerer Gruben erhielten eine besondere Geld-Entschädigung für ihre Beköstigung.

Um die übergroßen Ausgaben des Betriebes zu ermäßigen, war in den meisten Gruben ein Verkaufsladen etabliert, wo der betreffende Beamte den Arbeitern die ihnen nötigen und wünschenswerten Gegenstände für Rechnung der Mine zu sehr hohen Preisen unter Anrechnung auf ihren Verdienst verkaufte. Der Kaufbetrag wurde stets am Monatsschluß abgezogen, und kann es oft vor, daß der Arbeiter nicht allein den ganzen Betrag feines monatlichen Verdienstes in Waren entnommen hatte, sondern dass er noch schuldig blieb. Für den Grubenbesitzer war dies am Vorteilhaftesten, indem derselbe an den Waren 50% verdiente, andererseits den Betrag des Lohnes nicht bar auszuzahlen, und für den nächsten Monat auf die Arbeit dieses Schuldners mit Sicherheit zu rechnen hatte, denn jeder Arbeiter, der am Monatsschluß seinem Arbeitgeber schuldig blieb, war gesetzlich gezwungen in der Grube weiter zu arbeiten und durfte von einer anderen nicht ausgenommen werden. Leider kam es aber dennoch vor, daß Bergleute, die sehr viel an Waren entnommen hatten und schuldig geblieben waren, sich nach anderen Bergwerksdistrikten flüchteten, wo sie der Arm der Gerechtigkeit nicht erreichte.

Wein, Bier, Schnaps und Liköre durften in der Grube nicht verkauft werden, dagegen war es Sitte, daß jeder Bergmann, ehe er in die Grube fuhr, und ebenso wenn er herauskam seinen Tee genoß. Dieses Getränk wurde aus Paraguay-Tee in folgender Art bereitet:

Man schüttet den Tee in ein kleines Gefäß, gewöhnlich einen kleinen Flaschenkürbis, füllt dasselbe mit Zucker, gießt heißes Wasser darauf und schlürft dann das Getränk so heiß wie möglich vermittelst eines kleinen Rohres.

Ein Pfund Tee, ebenso wie jedes Pfund Zucker kostete vier Real. Die Arbeiter konsumierten unglaublich viel Zucker und kam es sehr oft vor, dass ein Arbeiter seinen ganzen Lohn für Tee und Zucker verausgabt hatte. - Überhaupt ist die Republik Chile von allen Ländern der Erde dasjenige Land, welches im Verhältnis zu allen anderen den meisten Zucker konsumiert (3).

Kaffee genoss der Bergmann wenig; wofür er aber sehr viel verausgabte waren Wassermelonen und Papiercigarren.

An beiden Artikeln verdienten die Minenbesitzer bedeutend, indem sie z. B. Wassermelonen in Copiapó das Stück zu einem Real kauften und Wagenladungen davon nach den Minen sandten, wo sie dieselben zu einem Peso das Stück verkaufen ließen. Auch geröstetes Mehl konsumierten die Arbeiter in großer Quantität."

 

Personen in Tres Puntas, Atacama-Wüste (Paul Treutler)
Aus: Paul Treutler, 1882

Der Text wurde digitalisiert, in ASCII umgewandelt, bearbeitet und teilweise der aktuellen Rechtschreibung angepasst von Dr. Wolfgang Griem - Kürzungen vorbehalten.

 

Literatur
Aus: TREUTLER, PAUL (1882): Fünfzehn Jahre in Südamerika an de Ufern des Stillen Ozeans. - 3 Bd., Seite 91/92; Weltpostverlag, Leipzig.

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© Dr. Wolfgang Griem, Chile
Veröffentlicht: 21.02.2006, Aktualisierung: 23.1.2016
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