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Geschichte der Region Atacama (Chile): Der Bergbau

Paul Treutler: Der Ort und das Leben in Tres Puntas

Museo Virtual, Chile
W. Griem, 2006, 2017

 Literatur: Bergbau in Atacama

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Ausrisse aus Treutler  15 Jahre in Südamerika (1882): Beschreibung des Ortes Tres Puntas:

Ausrisse aus Treutler  15 Jahre in Südamerika (1882): Beschreibung des Ortes Tres Puntas:

Am Fuß dieses Gebirgszuges erhob sich terrassenförmig Tres Puntas, und von dort aus im Umkreise von einer halben Meile erstreckten sich bis an den Berg auf dem wir abgekommen waren, die unzähligen Bergwerke. Nachdem wir dies malerische Bild bis zum Untergange der Sonne mit wahrem Genuß betrachtet hatten, eilten wir dahin und quartierten uns in dem einzigen Wirthshause ein.

Tres Puntas liegt unter 26° 40´ S. B. und 6066 Fuß über dem Meere. Das Gasthaus stand an einem ungepflasterten Platz, auf welchen. Schweine und Esel bunt durcheinander lagen und welcher mit Lumpen bedeckt war; zahlreiche Ochsenschädel und krepierte Hunde verpesteten die Luft. Unser Obdach war nur ein Bretterhaus, in welches der eisige Abendwind durch große Spalten in den Wänden freien Zutritt fand. Nachdem wir uns gewaschen - wozu das Wasser zwei Real kostete -und zu Abend gespeist - für ein Beefsteak mit Eiern und Kartoffeln und Kaffee hatten wir 10 Peso zu zahlen - suchten wir sehr ermüdet von der Reise, in unsere Decken gehüllt, ein Plätzchen auf der Erde, um uns durch Schlaf zu den Arbeiten des nächsten Tages zu stärken. Kaum waren wir jedoch eingeschlafen, so füllten sich nach und nach die Räume mit Beamten der Minen, mit Harfen- und Guitarrenmädchen ; es begann Spiel, Gesang und Tanz und der Champagner floss in Strömen. So unangenehm wir hierdurch berührt waren, so konnten wir doch die zudringlichen Einladungen nicht umgehen und mussten Teil an diesem Gelage nehmen, welches bis gegen Morgen währte. Aber selbst dann, als alles im Hause so still geworden war, konnten wir keinen Schlaf finden. Der ganze Ort und seine Nachbarschaft war durch Silberminen unterminiert, in denen bei Tag wie bei Nacht über 1000 Bergleute arbeiteten. Von dem anhaltenden Donner der Sprengschüsse und der fortwährenden Erderschütterungen wurden wir unwillkürlich immer wieder aufgeschreckt.

Zeitig am Morgen, als es noch eisig kalt war, begaben wir uns ins Freie und durchwanderten den Ort um ihn näher kennen zu lernen. Derselbe bestand aus etwa 80 Hütten, welche teils aus Brettern, teils aus Palmenrinde erbaut waren. - War schon der Platz unsauber, so waren die Straßen noch schrecklicher. Man sank im Sande einen halben Fuß tief ein, und noch größere Massen von Lumpen, als wir gestern bemerkt, lagen überall umher. Bei näherer Betrachtung fand ich, dass diese Lumpen eigentlich nur schmutzige Wäsche waren; denn da ein neues baumwollenes Hemd hier 6 Real, ein Hemd aber in Folge des teuren Wassers 1 Peso zu waschen kostete, so herrschte allgemein die Gewohnheit, das Hemd, sobald es unrein, ebenso wie alle andere Wäsche auf die Straße zu werfen und ein neues zu kaufen. - Niemand dachte daran, die Straßen säubern zu lassen. - Da auch das Holz sehr teuer war, bediente man sich zu Einfriedungen und Zäunen der Ochsenschädel mit den Hörnern, welche übereinander geschichtet wurden, und da täglich neue Schädel vom Schlächter dazu geliefert wurden, bot dies nicht allein einen sehr widerwärtigen Anblick dar, sondern die Ausdünstung verpestete auch auf sehr unangenehme Art die Atmosphäre. Die Häuser waren, wie in Copiapó, alle weiß angestrichen.

Es existierte hier auch eine Kapelle da aber an diesem Orte wenig Moral herrschte und die Bevölkerung weder zur Messe noch zur Beichte kam noch sich trauen oder die Kinder taufen ließ, so hatte sich der anfangs hier weilende Pater, um nicht zu verhungern, gezwungen gesehen, den Ort wieder zu verlassen.

Von dem weiblichen Geschlecht lebten an diesem kleinen Ort über hundert leichtsinnige Dirnen, welche nicht allein aus der Republik Chile, sondern auch aus den Nachbarrepubliken nach diesem Eldorado geströmt waren. Dagegen gab es hier wenig verheiratete Frauen, indem die Kaufleute, Krämer, Schank- und Tanzlokalbesitzer diesen im Allgemeinen nicht zumuten konnten, sie in diese Wüste unter solchen Abschaum von Menschen zu begleiten.

Den Hauptbestandteil der Gebäude bildeten Verkaufsläden aller Art, wo Kleidungsstücke, Lebensmittel, Minenwerkzeug u. s. w. feilgeboten wurden. Andere Häuser waren Tanz- und Schanklokale, Spielhöllen und ein großer Teil war von Dirnen bewohnt. Die Bergleute wohnten alle in ihren Minen und kamen nur am Sonnabend hierher, wo sie diesen Platz förmlich überfluteten und bis Sonntag Abend verweilten, um ihr sauerverdientes Geld hier durchzubringen.

Auch ein Richter war hier stationiert, der einen Offizier und zehn Soldaten zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu seiner Verfügung hatte; doch der Diener der Gerechtigkeit hatte wenig oder nichts zu tun; er lebte hauptsächlich nur dem Spiel und dem Weine.

 

Personas en un bar en Tres Puntas, Atacama
De: Paul Treutler, 1882 (Das Bild in groß)

Der Text wurde digitalisiert, in ASCII umgewandelt, bearbeitet und teilweise der aktuellen Rechtschreibung angepasst von Dr. Wolfgang Griem - Kürzungen vorbehalten.

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Literatur:
• Pérez Rosales, V.
(1859): Ensayo sobre Chile.- Escrito en Francés y Publicado en Hamburgo; Traducción al español por Manuel Miquel; Imprenta Ferrocarril (Santiago): p189-208 y p397-451.
TREUTLER, PAUL (1882): Fünfzehn Jahre in Südamerika an de Ufern des Stillen Ozeans. - 3 Bd., Seite 91/92; Weltpostverlag, Leipzig. (Sammlung W. Griem)

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Veröffentlicht: 21.02.2006, Aktualisierung: 23.1.2016, 20.5.2017
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