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Die Eisenbahn in der Region Atacama, Chile

H. Burmeister: Reise von Pabellón nach Copiapó

Eisenbahnen in Atacama
W. Griem, 2005, 2017

Entrada a Copiapo FFCC desde Paipote

 Literatur: Eisenbahnen in Atacama

español / deutsch

Hermann Burmeister en 1859 /1860 beschreibt eine Eisenbahnfahrt von Pabellon nach Copiapó - In der Atacama Region, Chile.
Original Text:

...welche das kleine Dorf Potrero Seco ausmachen. Zwischen seinen Wohnstätten neben Kleefeldern hinfahrend, erreicht man zum letzten Mal eine sehr öde, kahle, aller Vegetation beraubte Strecke des Tales, und dort liegt mitten auf der kahlen Ebene zwischen hohen grauen Felswänden die Station Pabellon, der Anfang der Eisenbahn nach Copiapó, gegenwärtig schon ein ganz ansehnlicher Ort mit geraden Straßen und mehreren recht guten Gebäuden, unter denen sich ein großer, ganz nach europäischem Muster gehaltener Gasthof vorteilhaft auszeichnete. ...

Ich benutzte den Aufenthalt, zu dem man in Pabellon genötigt wird, weil der Dampfwagen nur einmal täglich, um 8 Uhr morgens, nach Copiapó fährt...

...Im Westen mündet eine ähnliche, aber engere Schlucht, die aus Süden kommt, in das Haupttal, und sie führt auch schon ihre Eisenbahn; es ist die Quebrada de Chañarcillo, die berühmteste und ergiebigste Silberquelle des Landes, die Fundgrube der Reichtümer, durch welche Copiapó in so kurzer Zeit sich gehoben hat. Ich stand mit Bewunderung neben den Eisenbahnschienen, welche, im Bogen durch die Ebene geführt, der Station zubiegen und aus der engen, absolut kahlen, schwarz-grauen, düsteren Schlucht wie aus einem Höllenschlunde hervorkommen. Geräusch der herabrollenden, von ihrem eigenen Gewicht langsam fortgeführten Erzwagen umgab mich, der einzige Ton, den man vernahm in dieser Öde.....

Den 29. März fuhr ich also mit dem Dampfwagen von Pabellon nach Copiapó. Man zahlt für die 10 Leguas (42 km) lange Strecke 2 Pesos in der ersten und 1 Peso in der zweiten Klasse, außerdem für jedes Bagagekolli mittlerer Größe 3 Real (12 Groschen). Als ich am frühen Morgen das Fenster meines Schlafzimmers öffnete, fand ich das Tal von Pabellon zwar nebelfrei, aber unterhalb lagerten im Tal dichte Nebelwolken, welche die Aussicht talabwärts verdeckten. Erst nachdem wir eine Strecke von etwa 1 Legua (4,2 km) gefahren waren, gerieten wir in die Nebel und verloren damit alle Aussicht selbst auf die allernächsten Umgebungen (1). Pabellon leidet noch völlig an der Regenlosigkeit des oberen Flusstales. Sein Himmel ist gleich dem von Juntas und allen höher gelegenen Orten ewig rein und klar; Wolken sieht man nur in der Ferne, gen Westen, wo die Dünste des nahen Meeres aufsteigen (2).
Wir fuhren langsam und brauchten 2 Stunden, um die 10 Leguas (42 km) bis Copiapó zurückzulegen. Aber fünfmal wurde auf ebenso vielen Stationspunkten angehalten und damit viel Zeit verloren. Die Gesellschaft war nicht zahlreich, nur zwei Personenwaggons hatte der Zug, einen für die erste, den anderen für die zweite Klasse. Letzterer war dicht mit Menschen gefüllt, eine wahre Menagerie aller Farben und wahrscheinlich aller Nationen, denn die Minen haben Arbeiter aus allen Weltgegenden herbeigelockt. Wegen der im ganzen doch zu schnellen Fahrt für einen wissenschaftlichen Reisenden sah ich von meinen Umgebungen nicht viel. Ich erinnere mich nur, dass das Tal überall gut angebaut war und wir zweimal auf hohen, steinernen Brücken den Fluss passierten, das letzte Mal dicht vor Copiapó. Von den benachbarten Talgehängen sah ich vollends gar nichts als nackte, kahle Felsen wie bisher, in ziemlichem Abstand vom Wege; das Tal musste an Breite zunehmen, je weiter wir abwärts kamen.


Ankunft In Copiapó

Um 10 Uhr waren wir in Copiapó. Wir fuhren langsam durch die nördlichste der vier langen Hauptstraßen (3), woraus Copiapó besteht, dicht neben den Häusern, und hielten einige Zeit auf dem Marktplatz, über den der Schienenweg geht, damit die nahe wohnenden Reisenden aussteigen konnten. Dann ging es weiter noch eine ziemliche Strecke durch dieselbe Straße nach dem Bahnhof, der am westlichen Ende zwischen der Stadt und der Vorstadt La Chimba liegt, so nahe an einen vortretenden Felsen der nördlichen Talgehänge gedrückt, dass ein Teil des Felsens weggebrochen werden musste, um den nötigen Raum zu den Bahnhofsanlagen zu gewinnen. Zwischen der Stadt und dem Bahnhof läuft von Nord nach Süd die hübsche Promenade, ein breiter, mit vier Reihen jener mehrmals erwähnten pappelförmigen Weiden besetzter Spazierweg, zu beiden Seiten von einer Fahrstraße begleitet und mit Ruhebänken versehen. Ein tempelförmiger Bau in der Mitte nimmt den Musikchor auf, welcher hier alle Sonntage zur Unterhaltung des Publikums zu spielen pflegt (4).
Die Fahrt durch eine ziemlich enge Straße der Stadt im Dampfwagen machte auf mich einen eigentümlichen Eindruck, wenn ich daran dachte, welcher Vorsicht man in Europa neben den Eisenbahnen sich befleißigt, wie die Schlagbäume der Nebenstraßen geschlossen werden und niemand der Bahn näher als bis dahin treten darf. Hier kümmerte man sich um dergleichen Bevormundungen nicht, ein jeder blieb an seiner Stelle dicht neben dem Wagen stehen, ja, man hätte den in der Tür der Häuser Zuschauenden die Hand reichen können. Die einzige polizeiliche Vorschrift, der der Führer des Zuges zu gehorchen hat, ist die langsamere Fahrt; man fährt wie in einer Kutsche, die von Pferden im Trab gezogen wird.

 

Der Text wurde digitalisiert, in ASCII umgewandelt, bearbeitet,  und teilweise der aktuellen Rechtschreibung angepasst von Dr. Wolfgang Griem.

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Veröffentlicht: 25.12.2005, Aktualisierung: 27.1.2016, 1.5.2017, 14.7.2018
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