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Die Eisenbahn in der Region Atacama, Chile

R. A. Philippi (1860): Eisenbahnfahrt

Eisenbahnen in Atacama
W. Griem, 2006, 2017
FFCC carta historica entre Copiapo - Caldera
Aus. Reclus (1895)

 

Rueda de la locomotora La Copiapo

 Literatur: Eisenbahnen in Atacama

español / deutsch

Originaltext
Rodulfo Philippi: Fahrt mit der Eisenbahn von von Caldera nach Copiapó um 1853:

Um 9 Uhr morgens des folgenden Tages fuhr ich mit Herrn Doll nach Copiapó. Der Preis erster Klasse, die ein anständiger Reisender nehmen muss, beträgt eine Viertel Unze, 4 Pesos, 31 Cents, etwa 5 Taler, 22 Silbergroschen, und für jedes Stück Gepäck wird noch besonders bezahlt. Wir waren nur wenige Reisende, kaum ein halber Wagen voll; überhaupt ist der Personenverkehr, mit Ausnahme der Tage, wenn die Dampfschiffe den Hafen anlaufen, unbedeutend, und dient die Eisenbahn hauptsächlich zum Transport der Erze nach dem Hafen und zum Transport der Lebensmittel, des Bau- und Schreinerholzes, der Kohlen und so weiter nach dem Innern. Die Entfernung vom Hafen bis zur Stadt beträgt 50 1/2 englische Meilen (81,2 km), und hat die Eisenbahn bis dahin gar keine nennenswerte Schwierigkeit zu überwinden.

Die ersten 8 englischen Meilen (12,9 km) besteht der Boden aus Sand, stellenweise mit zahllosen Muscheln besät," zum Beweis, dass in früheren Zeiten hier Meeresboden war. Zahlreiche niedrige Pflanzen wuchsen in diesem scheinbar ganz dürren Sande und erfreuten das Auge mit ihren goldgelben, himmelblauen und dunkelroten Blumen, aber weit und breit war nicht der kleinste Strauch, geschweige denn Baum, noch eine Spur menschlicher Betriebsamkeit zu sehen. Eine große Menge Käfer liefen umher und lagen zum Teil in den kleinen Vertiefungen am Wege. Der reiche Blumenflor dieses Jahres war eine Folge des reichen Regens, der diesen Winter in der Provinz gefallen war; man hatte nämlich zwei große und einen kleinen Schauer gehabt, während in manchen Jahren nur ein einziger Regenschauer fällt.

Das zweite Viertel des Weges ist der Boden tonig und mit weißen Salzeffloreszenzen bedeckt. Die Vegetation war demzufolge ganz verschieden. Sie bestand aus Juncus, aus Atriplex- und Salicorniaarten, wenn ich diese beim raschen Fahren der Eisenbahn richtig erkannt habe. In der Nähe der Station Monte Amagro sah ich die ersten Chañarbäume (Gourliea chilensis Clos), nach welchen so viele Orte Chañaral heißen, und in der Ferne zeigten sich die ersten Pappeln sowie weidendes Vieh. Die Eisenbahn gelangt allmählich in das breite Tal des Flusses von Copiapó. Der Boden erscheint sumpfig, mit Gras und Binsen bedeckt, hie und da ist Rohr, aber herrschend ist die Brea (Brea) (Tessaria absinthioides DC.) mit ihren grauen, länglichen, gesägten Blättern und rosenroten Blüten und die Chilquilla. So heißen mehrere Baccharisarten mit weidenähnlichen Blättern, welche in Chile an allen Bächen und auf sumpfigen Stellen wachsen und ohne die Blüten leicht für Weiden genommen werden könnten.

Späterhin erschienen Espinos (Acacia Cavenia) und Channares; immer häufiger werden umzäunte Stellen, größtenteils mit Alfalfa (Luzerne) bepflanzt, lombardische Pappeln und Salix Humboldtiana W., welche ganz denselben pyramidalischen Wuchs hat; man sieht einzelne, oft sehr saubere Landhäuser und freut sich, aus dem Bereich der Wüste in kultiviertes Land gekommen zu sein. Die Berge rücken näher aneinander und berühren an einzelnen Stellen beinah die Eisenbahn, wie bei Pietra Colgada (Piedra Colgada), so dass man sie genau beobachten kann.
Man kann sich nichts Traurigeres denken als diese Berge: Es sind graue, abgerundete Kuppen mit einzelnen herablaufenden zackigen Gräten, am Fuß und in den Vertiefungen zwischen den Gräten mit Geröll und Sand bedeckt, ohne alle . Vegetation. Nicht einmal ein Kaktus ist zu erblicken. Desto fruchtbarer ist das Tal, soweit es regelmäßig bewässert werden kann. In den Gärten sieht man besonders Pfirsich, Feigen, Weintraubenreben, Quitten, auch wohl Pflaumen und Birnen, aber keine Äpfel; auch die Kirschen sollen nicht fortkommen, wenigstens ganz geschmacklos sein. Ebenso gedeihen die Orangen und Zitronen nicht recht. Melonen und Wassermelonen gedeihen ausgezeichnet sowie alles Gemüse; der chilenischen Erdbeere ist es aber viel zu heiß in Copiapó; das Dutzend derselben kostete 4 Reales = 20 Silbergroschen. Häufig findet man überall den Floripondio (Datura arborea), 12 bis 15 Fuß hoch, dessen. Riesenglocken mit ihrem balsamischen Duft weithin die Lüfte erfüllen.

Es mochte etwa 12 Uhr sein, als wir in Copiapó eintrafen. Am Bahnhof warteten Fiaker auf die kommenden Reisenden, und Karren, mit Mauleseln bespannt, standen bereit, den Transport der Waren und Güter zu besorgen......

 

1) "Silbergroschen": Moneda alemana (10 pfennigs  de plata)
2) 1 englische Meile = 1609m

Der Originaltext wurde nach ASCII umgewandelt, editiert, gekürzt  und teilweise der aktuellen Rechtschreibung angepasst - physikalische Einheiten wurden umgeformt von  Dr. Wolfgang Griem

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Literatur:
• PHILIPPI, RODULFO AMANDO
(1860): Viage al Desierto de Atacama, hecho de orden del gobierno de Chile en el verano 1853-54.- 236 +6 p. 25 tablas; 7 perfiles Halle Sajonia, Librería Eduardo Anton
PHILIPPI, RUDOLPH AMANDUS (1860): REISE DURCH DIE WUESTE ATACAMA AUF BEFEHL DER CHILENISCHEN REGIERUNG IM SOMER 1853-54 UNTERNOMMEN UND BESCHRIEBEN. VON DR. NEBST EINER KARTE UND XXVII TAFELN HALLE Eduard Anton 1860
RECLUS, E. (1895): Nouvelle Geographie Universelle - La tierra et les Hommes.- XVIII Amerique du sud - les regiones Andines; Paris 1895. (Biblioteca Museo Regional de Atacama)

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© Dr. Wolfgang Griem, Chile
Veröffentlicht: 25.12.2006, Aktualisierung: 26.1.2016, 1.5.2017, 14.7.2018
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