Atacama virtuell: Deutsch
www.geovirtual2.cl

Die Eisenbahn in der Region Atacama, Chile

H. Burmeister: Bahnfahrt von Copiapó nach Caldera

Eisenbahnen in Atacama
W. Griem, 2005, 2017

Maestranza de Caldera

 Literatur: Eisenbahnen in Atacama

español / deutsch

Herman Burmeister beschreibt eine Eisenbahnfahrt im Jahre 1859 von Copiapó nach Caldera in der chilenischen Atacama Wüste.
Original Text:

Den 1. April fuhr ich mittags 1 Uhr von Copiapó auf der Eisenbahn nach Caldera, dem neuen, seit 1842 angelegten Hafen der Stadt, 18 Leguas (75km) entfernt. Man zahlt 3 Pesos in der ersten Klasse und 4 Real für jedes Gepäckstück mittlerer Größe. Der Zug fährt 3 Stunden und ist gegen 4 Uhr in Caldera. Die Gegend behält den Charakter wie bisher. Anfangs ist das Tal ziemlich eng, namentlich enger als bei Copiapó (1), wo sich im Norden von der Stadt eine sanft ansteigende, ziemlich ausgedehnte, aber völlig kahle, trostlose Ebene als Ausmündung einer Schlucht befindet, durch welche die Straße über Llampos und Puquios nach dem Minendistrikt von Tres Puntas in der Nähe der Kordilleren führt. Darin liegen die Ranchos des ärmsten Teils der Bevölkerung, größtenteils Indianerabkömmlinge, welche als eine besondere Vorstadt den Namen Pueblo del Indio führen. Man sieht von der Stadt weit in die Schlucht hinauf und erkennt die Öde der dortigen Gegend daran deutlich (2). Hat man die Enge unterhalb Copiapó passiert, so wird das etwas weitere Tal ganz hübsch. Man sieht fleißige Bodenkultur, namentlich Obstgärten und Kleefelder, von schlanken Weidenreihen eingefasst, mitunter auch ausgedehnte natürliche Weideplätze mit Vieh in der Nähe des Flusses, der sich im Süden von der Bahn befindet. So kommt man von Zeit zu Zeit durch dorfartige Ansiedlungen nach der letzten bewohnbaren Stelle des Tales, welche den Namen Piedra Colgada führt und etwa 4 Leguas (17 km) von Copiapó entfernt ist.(3) Unterhalb dieser Station erweitert sich das Tal schnell zu einer nur in der Ferne von kahlen Felsenpartien begrenzten Ebene, die nichts anderes als eine Salzsteppe, ja eine förmliche Wüste ist. Loser Flugsand bildet den Boden, hie und da mit weißen Salzkrusten überzogen, aber ohne alle Vegetation, ohne einen einzigen Strauch, ja ohne eine Pflanze auf dem nackten, heißen, von der Sonne verbrannten Boden, ein wahrhaft trostloser, in jeder Hinsicht drückender Anblick (4). Vom Seewind, der bis nachmittags hier und in Copiapó täglich weht und oft recht unangenehm werden kann durch den feinen Staub, welchen er in den zum Teil noch nicht gepflasterten Straßen emporhebt, fortwährend angeblasen, saßen wir in den geschlossenen Waggons wie in einer Backstube, nicht sowohl wegen der Hitze als auch wegen des Staubes, der durch alle Fugen hindurch drang und uns wie Bäckergesellen färbte. Förmlich weißgelb wurden unsere Kleider und ebenso unsere Haut von den anklebenden Staubmassen. Und das muss man gegen 1 1/2 Stunden aushalten.
Zwar gibt es auf dieser ganzen Strecke bis zum Meer kein Haus mehr, wo Passagiere einsteigen könnten. Aber man hält doch mehrere Male an, um Wasser für die Maschine einzunehmen, das in dieser Strecke sehr schwer zu haben ist. Einige Leguas unterhalb Piedra Colgada versiegt der Fluss und zeigt seine Spur nur in dem Kies des trockenen Bettes, das eine Zeitlang durch die ebenso flache Ebene zieht Auch wendet sich die Bahn vom Fluß ab nach Nordwesten und berührt hier noch einmal eine beträchtliche dorfartige Ansiedlung, Monte Amargo, 9 Leguas (38 km) von Copiapó, auf halbem Wege der Bahn, nach Philippi in 403 Fuß (125 m) über dem Meer gelegen. Der Fluß hat sich inzwischen etwas südlicher gewendet, er steuert jetzt ziemlich rein westlich nach der Gegend des alten Hafens von Copiapó dem Meer zu, erreicht dasselbe aber nicht, weil schon lange vorher all sein Wasser verschwunden ist. Bald unterhalb der Haltestelle bei Monte Amargo gewahrt der Reisende, zumal wenn er Naturforscher ist, ein sehr interessantes Phänomen: den alten Meeresboden mit zahllosen Muscheln und Schneckenschalen, welche noch so daliegen, wie sie der zurücktretende Ozean bei seinem Scheiden gelassen hat, wenn nicht, wie das stellenweise geschah, der Mensch sie wegnimmt, um Kalk für seine Häuser daraus zu brennen. Man ist hier noch gegen fünf Leguas (21 km) von der Küste entfernt und ziemlich 400 Fuß (125 m) über dem Meeresspiegel. Diese Muscheln gehören der historischen Periode unseres Erdkörpers, das heißt der Gegenwart an und finden sich noch lebend in dem nahen Meer. Sie beweisen, dass sich das Land um so viel aus dem Meer emporgehoben hat, als wie weit diese Muscheln gegenwärtig auf dem Trockenen liegen. Man kennt dieses Phänomen seit langer Zeit, namhafte Geognosten haben sich mit seiner genauen Untersuchung beschäftigt; besonders hat Darwin in seinen mehrmals erwähnten Geological Observations on South-America im zweiten Kapitel darüber ausführlich gehandelt. Während der Wagen am letzten Haltepunkt, 2 Leguas (8,5 km) von Caldera, in 350 Fuß (108 m) Höhe über dem Meer hielt, eilte ich schnell heraus und steckte mir die Taschen voll von diesen Muscheln. Mehrere glückliche Griffe führten mir eine hübsche Portion in die Hände. Ich sprang auf den Fußtritt, als der Wagen schon weiterfuhr, aber kein Beamter kümmerte sich um mich, man ließ mich gewähren, als ob niemand mein Treiben zu beachten hätte. Was würde man dazu auf einer deutschen Eisenbahn gesagt haben!
Nach 10 Minuten fuhr der Zug in das große Gebäude des Bahnhofs von Caldera hinein, hart am Wasser auf einer kleinen Fläche kaum 10 Fuß (3,10 m) über dem Meeresspiegel gelegen, dicht neben steilen, schwarzgrauen, plutonischen Felsgruppen, welche die 36 Fuß (11 m) höher gelegene Ebene stützen, worauf die Gebäude des Städtchens stehen. Auf breiten hölzernen Treppen steigt man unmittelbar vom Hof der Eisenbahn hinan und begibt sich neben dem eleganten und großen Hafengebäude (Capitania del puerto) vorbei in das dahinter gelegene erste Hotel, welches von einem Italiener gehalten wird und mit Recht gelobt werden kann, obgleich die Preise hoch sind, noch höher als in Copiapó, das wenigstens noch vor kurzem einer der teuersten Plätze Südamerikas war. Indessen habe ich es in Lima noch teurer gefunden (5).

 

Der Text wurde digitalisiert, in ASCII umgewandelt, bearbeitet,  und teilweise der aktuellen Rechtschreibung angepasst von Dr. Wolfgang Griem.

Locomotora La Copiapo en Atacama - Chile
Foto: Die Lokomotive La Copiapó in der Atacama Universität.
(W. Griem, 2010; Ca50D1335) - in gross

Eisenbahn Atacama
Geschichte von Atacama
Touristischer Streifzug

Literatur und Bücher über Atacama, Chile

Eisenbahn Atacama
Allgemeines Eisenbahn Atacama
Auflistung aller Strecken
Karte der historischen Strecken

Historische Dokumente
Text von H. Kunz, 1890
Bahnfahrt Treutler
Philippi Bahnfahrt (1)
Philippi Bahnfahrt (2)
Burmeister: Fahrt Pabellon
Burmeister Cpo.-Caldera 1859
Treutler beschreibt einen Unfall
Anden-Überquerung Bertrand
Kunz: Transandine Eisenbahn
Transandine Linie (Espinoza)
Transandine Linie Peña Negra
Zeichnung Bahnhof Copiapó
Streckenplan Copiapó (1882)
Streckenplan Atacama 1895
Streckenplan Atacama 1903
Karte 1928: Handbook
Karte: 1943 - Guía Veraneante
Karte 1947 - Guía Veraneante

nächste Seite in geovirtual, Atacama

Reisende, Forscher über Atacama
Rodulfo A. Philippi - Inhalt
Ignacio Domeyko
Inhalt Paul Treutler
Recaredo Tornero
San Roman
Hugo Kunz
Herman Burmeister
Francisco Marcial Aracena
J. M. Gilliss

BURMEISTER
Eisenbahnfahrt Pabellón - Copiapó
Eisenbahnfahrt Copiapó - Caldera
Die Stadt Caldera
Erdbeben in Copiapó
In geologischen Publikationen

Der Bereich
Intro Caldera-Copiapó
Caldera
Monte Amargo
bei Piedra Colgada
Piedra Colgada
Co. Imán
Toledo
Bahnhof Copiapó

Inhalt Strecke Caldera - Copiapó
Intro Caldera-Copiapó
Caldera
Monte Amargo
bei Piedra Colgada
Piedra Colgada
Co. Imán
Toledo
Bahnhof Copiapó

Andere Themen
Bergbau in der Region Atacama
Geschichte der Atacama - Region


Literatur:
BURMEISTER, H. (1875): Die Süd-Amerikanischen Republiken Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay nach dem Stande der geographischen Kenntniß in 1875 nach Originalen und offiziellen Quellen karthographisch dargestellt von A.Petermann.

Ausdrücklich ist jegliche, nicht von den Autoren genehmigte,  Neuveröffentlichung untersagt. Dies gilt insbesondere für elektronische Publikationen: Nutzungsrichtlinien.
Falls Sie über alte Fotos, oder sonstiges (historisches) Material der Atacama Region verfügen würden wir uns sehr freuen dieses in unseren Seiten implementieren zu dürfen: Kontakt

vorherige Seite in geovirtual, Atacama Eisenbahn Atacama - Touristischer Streifzug Atacama
Atacama: Namen und Orte
nächste Seite in geovirtual, Atacama
Rote Linie in www.geovirtual2.cl

www.geovirtual2.cl - geovirtual in deutsch
Geologie
Apuntes
Apuntes Geología General
Apuntes Geología Estructural
Apuntes Depósitos Minerales
Apuntes Prospección
Periodos y épocas
Módulo de referencias - geología
Índice principal - geología
Virtuelles Museum, Geschichte
Eingang virtuelles Museum
Recorrido geológico
Colección virtual de minerales
Índice principal - geología
Sistemática de los animales
Geschichte der Geowissenschaften
Allgemeine Geologie historisch
Bergbau in historischen Illustrationen
Fossilien in historischen Illustrationen
Autoren der historischen Bücher
----
Illustrationen aus Chile
Atacama Region, Chile
Ein Streifzug durch Atacama
Sehenswürdigkeiten
Geschichte von Atacama
Historische Karten
Bergbau in der Atacamawüste
Eisenbahnen der Region
Flora Atacama
Tiere der Wüste
Atacama in Fotos / Atacama schwarzweiß
Karten / 3dimensionale Morphologie
Klima der Atacama Region
Links, Literatur, Büchersammlung
Namens- und Orts Register
sitemap - Inhalt in Listenform - contenido esquemático

www.geovirtual2.cl / sitemap / virtuelles Museum Atacama / Geschichte Atacama / Eisenbahnen in Atacama
Geschichte der Eisenbahn in Atacama, Chile
© Dr. Wolfgang Griem, Chile
Veröffentlicht: 25.12.2005, Aktualisierung: 27.1.2016, 1.5.2017
mail - Kontakt
Ver el perfil de Wolfgang Griem en LinkedInSiehe Profil von Wolfgang Griem in Linkedin
Alle Rechte vorbehalten
Jegliche Vervielfältigung muss vom Autor genehmigt werden: Nutzungsrichtlinien