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Geschichte der Atacama Region, Chile

Paul Treutler in Copiapó 1853 - 1856

Museo Virtual, Atacama
W. Griem, 2005, 2017

Paul Treutler
Pau Treutler - Am Bahnhof von Copiapo
 

 Literatur: Copiapó en 1853 - 1856

español / deutsch / english

Beschreibung von Copiapó durch Paul Treutler um 1853 bis 1856. Eine detaillierte Beschreibung der Stadt im wirtschaftlichem Aufschwung. Es sollte noch erwähnt werden, dass die Beschreibungen von Paul Treutler nicht immer als authentisch angesehen werden können.

Hier der Original Text:

Vom Bahnhof fuhr ich nachdem mir empfohlenem Gasthaus ,,Hotel de Comercio'', welches ein Italiener Namens Menelli besaß, und fand daselbst zum Glück noch Unterkommen. Dieses Hotel war ein altes baufälliges, nur aus Adobes (Lehmziegeln) errichtetes Gebäude und bestand aus einem großen Speisesaal und etwa acht Gastzimmern, aber weder der erstere noch die letzteren hatten Fenster; sie erhielten ihr Licht nur durch die Thüren1, so dass man, um sich am hellen Tage nicht im Finstern zu befinden, entweder Licht brennen oder die Thür auflassen musste, was wegen der vielen Mosquitos oft sehr unangenehm war. -Kaum hatte sich die Nachricht verbreitet, daß ein Deutscher angekommen, so erschienen sofort die hier bereits lebenden Landsleute, um mich zu begrüßen. Es waren die Herren  Georg  Huneus,  Bergwerksbesitzer, Felix Engelhard, Louis Schnakenberg und Adolph Schwarzenberg, alle drei Berg=Ingenieure aus Cassel, Wilhelm und Herrmann Schmidt, Kaufleute aus Hamburg, David Levingston, Pfandleiher aus Posen, Horace Lutschannig, Chemiker aus Triest, und die in der Nähe von hier wohnenden Bergwerksbesitzer Gebrüder Erdmann aus Waldenburg in Schlesien, welche Jugendfreunde von mir waren 2 .Wir blieben bis spät in die Nacht zusammen. (....)

Mein Hotel lag dicht am Fluß, der aber hier einen 300 Fuß (100m) Breiten und 1,500 Fuß  (500m) langen, mit 12-18 Fuß (3,60m bis 5,40) hohem Schilf bewachsenen Sumpf bildete. Nachdem wir diesen auf einem von Schutt aufgeführten Damm überschritten hatten befanden wir uns am Fuß des südlich der Stadt gelegenen steilen Gebirgszuges dessen Abhänge kahl, ohne die geringste Vegetation und hoch von Sand und Gerölle  bedeckt waren, während seine felsigen Spitzen über tausend Fuß in malerischen Formen emporragten3.

Kaum eingeschlafen, wurde ich durch das Geräusch von Ratten, die mit größter Vertraulichkeit über mein Bett und mich hinwegliefen, auf die unangenehmste Art erweckt und ebenso verspürte ich ein furchtbares Jucken am ganzen Körper und entdeckte, dass mein Bett von Ungeziefer wimmelte. Nachdem ich nun zuerst die Ratten in ihre Löcher verjagt und diese bestens verstopft, sowie mein Bett mit Insektenpulver dick bestreut hatte, verfiel ich in einen festen Schlaf. ...
Von dem Bahnhofe zog sich eine schöne Allee von italienischen Pappeln von einem Gebirgszug bis zum anderen quer durch das Thal "Alameda" d.h. öffentlicher Spaziergang, wo Sonntags die Militärmusik spielte und die Bewohner Copiapos Erfrischung im Schatten der Bäume suchten.

Von dieser ,,Alameda'' aus erstreckte sich der Hauptteil der Stadt gegen Osten in 4 parallelen gradlinigen Straßen. Die Mitte der Stadt bildete ein großer Platz, an dessen westlicher Seite sich die Hauptkirche und ihr gegenüber das Regierungsgebäude, die Kaserne und die Gefängnisse befanden. In der Mitte des Platzes erhob sich eine bronzene Statue, einen Bergmann mit Schlegel und Eisen in der Hand vorstellend, welche man zu Ehren eines Bergmanns Juan Godoi errichtet hatte, der im Jahre  1832 den so überreichen Silberminendistrikt von Chañarcillo entdeckt, trotzdem aber, wie gewisse berühmte Männer Europas, in Not und Elend starb.(...)

Am Fuß des Gebirges angelangt, Besuchten wir den da befindlichen Kirchhof von Copiapo, welchen mehrere schöne Denkmäler zierten, und von da kehrten wir aus dem durch den Sumpf aufgeschütteten Wege nach der Stadt zurück.

Alle Straßen bestanden aus geschlossenen Häuserreihen, dagegen befanden sich nach hinten Gärten, die den Bewohnern einen Zufluchtsort bei den so sehr häufig vorkommenden Erdbeben boten und wohin sie stets bei den ersten Symptomen eines solchen flohen. Aus Rücksicht auf dieses grausenerregende Phänomen gab es hier auch nur sehr wenige zweistöckige oder aus Ziegeln erbaute Häuser [4] ; Sie waren nur aus Lehmziegeln errichtet und der größte Teil der Wände Bestand nur ans einem Holzrahmen, welcher mit Palmenrinde verbunden und mit nasser Erde ausgeschmiert war, und die Dächer aus zusammengebundenem Schilf, auf welches ebenfalls eine solche Schicht gestrichen war. - In den meisten Häusern befanden sich keine Fenster, sondern nur Türen, welche, um Licht in das Innere gelangen zu lassen, stets offen gehalten wurden. Sämtliche Häuser waren weiß angestrichen und mußten laut polizeilicher Verordnung alle Jahre vor dem großen Volksfeste der Independencia, welches am 18. September zur Erinnerung an die Erklärung der Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1818   gefeiert wurde [5], neu angestrichen werden. Bei dem stets wolkenlosen Himmel und den stechenden Sonnenstrahlen , wurde das Auge sehr incommodirt, und dies wurde dadurch noch schlimmer, daß ein Teil der Straßen nicht gepflastert war und der Wind oft dicke Staubwolken von der mit vielem Salz und Kalkteilen geschwängerten Erde aufwirbelte. -

Da jeder Tropfen Wasser hier von großem Werte, waren eine Menge Beamte zur Ueberwachung desselben und dessen Verteilung an die einzelnen Grundstücke angestellt und auf jedem Grundstück befand sich  ein  Canal,  der mit einem Schloss versehen war; Wasserdiebstahl wird hart bestraft Trinkwasser wird in Fässern auf Eseln  in die Häuser gebracht -

Ein Beweis Der Zivilisation dieser Stadt war unbedingt, daß sie ganz  Durch Gas beleuchtet,  Die Hauptstraßen  gepflastert  und  mit Trottoirs versehen waren. (...)

Vergnügungen und Zerstreuungen  gab  es in Copiapo  sehr wenig;  es existirte  hier  nur  ein  in der Vorstadt Chimba gelegenes, dem alten Grandi, einem früheren Mitgliede der italienischen Oper gehöriges Kaffeehaus, welches  den Namen Tivoli  führte; ferner  ein für  Copiapo recht gutes Theater.
Linie 300

 

Literatur

Treutler, Paul (1882): Fünfzehn Jahre in Südamerika an de Ufern des Stillen Ozeans. - 3 Bd., 236 Seiten; Weltpostverlag, Leipzig. (Sammlung W.Griem)

Kunz, Hugo (1890): Chile und die deutschen Kolonien. - 634 Seiten: Commisonsverlag Julius Klinkhard, Leipzig.  (Sammlung W.Griem)

Guía SudAmericana (1910-1912) y General de Chile. - 3ª Edición para 1910 - 1912; Valparaíso (Chile) (Biblioteca Museo Regional de Atacama)

GILLISS, J.M. (1855): The U.S. Naval Astonomical Expedition to the southern Hemisfere, during the years 1849-50-51-52. - Volume 1 (Chile); Washington A.O.P. Nicholson Printer.
(Sammlung W. Griem)

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Veröffentlicht: 1.11.2005, Aktualisierung: 23.1.2016, 16.2.2017
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